Incredible India - Erfahrungsbericht Indien

Indien

Incredible India!


Ein Semester an der Delhi University im Programm Master of Finance and Control


Ohne viel über Indien zu wissen kam ich Anfang 2009 in Neu Delhi an. Nachdem es bei meiner Abreise in München ca. -10° hatte, haute mich die warme Smog-Luft in Delhi ganz schön um. Empfangen wurde ich von zukünftigen Kommilitonen die mich mit dem Taxi zum Campus brachten. Der Verkehr in Indien ist unvorstellbar, auf 3 Spuren fahren mindestens 5 Autos, Busse, Transporter oder mit 5-Mann besetzte Motorräder. Es werden die skurrilsten Dinge als Fortbewegungsmittel benutzt und auch eine Busfahrt ist sehr spannend und faszinierend. Gehupt wird im Sekundentakt, Schlaglöcher gibt’s in Unmengen, Ampeln und Verkehrsschilder sucht man vergeblich und für Kühe oder Elefanten auf der Straße wird selbstverständlich gebremst. Wie bei allem in Indien herrscht das mehr oder weniger organisierte Chaos an welches man sich -wider erwarten- nach gewisser Zeit gewöhnt. Wobei es Dinge gibt an die man sich kaum gewöhnen kann, wie die unvorstellbare Armut die einem überall ins Gesicht springt. Meistens werden die Kinder zum Betteln geschickt und die herzerweichende Methoden haben um an Geld zu kommen. Zudem ist es sehr dreckig, die Leute spucken den ganzen Tag auf die Straße und benützen die auch als öffentliche Toilette. Auf der Bildungsebene herrschen auch erhebliche Unterschiede. Inhaltlich sind die Inder uns in Europa erheblich voraus und arbeiten an äußerst komplexen Themen, jedoch relativ unorganisiert. Der Dekan, wie jede andere Führungspersönlichkeit, wird vergöttert und mit einem fast beängstigenden Respekt behandelt. Allerdings ist es bei allen anderen Professoren und Doktoranten das totale Gegenteil, Pünktlichkeit ist inexistent (wie bei vielen anderen Dingen auch) und der Lärmpegel in den Vorlesungen erschreckend. Dies kann man auch auf das generelle Zusammenleben der Inder beziehen. Einer Person die älter, bzw. über einem ist, wird unter keinen Umständen widersprochen. Ärmere Menschen, wie z. Bsp. Bedienstete, werden völlig ignoriert. Zudem kommen die quasi nicht vorhandenen Rechte der Frauen und die absolute Tabuisierung von Beziehungen und Sex, welches eine erhöhte Frustration bei den Männern und erschreckend viele Vergewaltigungen hervorrufen. Weiße sind für die meisten Inder sehr faszinierend, man wird auf eine unvorstellbare Art und Weise angestarrt, was manchmal anstrengend aber meistens sehr belustigend ist. Als erster Eindruck im ersten Monat ist das schon eine große Herausforderung. Doch sobald man sich an gewisse Dinge gewöhnt hat, ist Indien ein faszinierendes Erlebnis. Ein Land voller Vielfalt, sehr hilfsbereite und neugierige Menschen, Offenheit gegenüber unterschiedlichsten Religionen, unzählbar viele Sprachen, unterschiedlichste Menschen, Traditionen und Gerichte, Berge, Wüste, Dschungel, Großstädte mit über 20 Millionen Einwohnern sind nur wenige der großartigen Eindrücke die man erfährt.


Bei der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit macht man starke und spannende Entwicklungen durch, da jeder Tag neue Herausforderungen für einen bereithält. Doch vor allem bei der Rückkehr in Europa lernt man diese Veränderungen zu schätzen. Eine Entspanntheit und der bewusste Genuss von Selbstverständlichkeiten lässt einen das europäische Leben mit anderen Augen sehen. Vor allem durch Begegnungen mit äußerst unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Regionen und aus allen Kasten die man bei Reisen macht gewinnt man viel und erlebt eine unbekannte Lebensart. Die Reisemöglichkeiten in Indien sind unendlich: vom Rafting im Himalaya, dem Kamelreiten in der Wüste, dem per Hand fischen in Goa über die unzähligen Tempel und kleinen Örtchen in denen die Bevölkerung noch nie Ausländer gesehen hat, hält Indien zahllose faszinierende Begegnungen und Erlebnisse für einen bereit. Durch einen längeren Aufenthalt kann man solche Dinge bewusster und häufiger erleben, da man eine gewisse Anpassungsphase benötigt die einen auf unvergessliche prägende Momente vorbereitet. In Indien erlebt man viel schockierendes und es ist wahrlich nicht immer einfach sich durchzuboxen, jedoch ist dies jeden Moment wert und bringt einem lebenslängliche Erinnerungen und auch Sehnsüchte, sofort nach Indien zurück zu kehren. Gerade während des Studiums, hat man dafür die perfekte Möglichkeit, da man unabhängiger und freier eine solche Reise machen kann. Ich kann jedem sehr empfehlen selbst während eines Semesters oder Praktikums diese Erfahrungen zu machen.